Vultee P-66 Vanguard AZmodel 72

Galerie

Bild: Vultee P 66 AZmodel 72 alle Teile Bild: Vultee P 66 AZmodel 72 Resinteile Bild: Vultee P 66 AZmodel 72 Decals
Bild: Vultee P 66 AZmodel 72 Lackierplan Bild: Vultee P 66 AZmodel 72 unlackiert Bild: Vultee P 66 AZmodel 72 Vergleich mit Mustang
Muster:Vultee P-66 Vanguard
Hersteller:AZmodel
Maßstab:1:72
Erscheinungsdatum:2009
Autor:Ernst Kögel

Fazit Kurzform

Mit der P-66 bringt Azmodel wieder einen Exoten heraus. Es handelt sich um eine verbesserte Wiederauflage des Sword Kits. Wegen der vielen Resin- und Ätzteile sollten sich eher fortgeschrittene Modellbauer an diesen Bausatz herantrauen.

 

Original/Geschichte

Obwohl die Vultee P-66 wenig bekannt ist, hat sie eine interessante Geschichte.

Als Projekt V-48 entstand 1938 unter der Leitung von Richard Palmer ein Ganzmetall-Jagdeinsitzer. Der Tiefdecker mit Einziehfahrwek wurde von einem 1200 PS Pratt&Whitney R-1830 Sternmotor angetrieben und erreichte eine für die Zeit passable Höchstgeschwindigkeit von 542km/h in 4572m Höhe. Bereits im September 1939 konnte Vance Breese zum Erstflug mit dem neuen Flugzeug starten. Allerdings mußte die Motorverkleidung überarbeitet werden, da das Triebwerk ständig überhitzte. Im September 1940 flog dann der endgültige Prototyp 48C bei dem die Kühlprobleme gelöst waren. Schweden orderte 144 Flugzeuge die bei der Flygvapen J10 heißen sollten. Während die US Regierung solche Geschäfte zunächst förderte, weil so die heimische Luftfahrtindustrie Kapazitäten für eine eventuelle künftige Kriegswirtschaft aufbauen konnte, wurden nach dem amerikanischen Kriegseintritt, der auf den japanischen Angriff auf Pearl Harbour folgte, alle Lieferungen nach Schweden gestoppt. Immerhin flog ein Flugzeug mit schwedischen Hoheitsabzeichen. Die USA bot die Flugzeuge Großbritannien an. Nur 3 wurden von der RAF getestet, 129 nach Karachi weitergeleitet, wo sie der Chinesischen Luftwaffe übergeben wurden. Die USAAF übernahm die restlichen Flugzeuge und setzte sie als P-66 Vanguard bei Trainingseinheiten an der US Westküste unter anderem der 14. Pursuit Group in Oakland, Kalifornien, ein.

Die chinesischen P-66 hatten von der Seereise verschiedene Schäden. In Karachi wurden sie montiert, die Schäden, wenn möglich, behoben und nach Chengtu ausgeflogen. Bereits bei diesen Überführungsflügen gingen einige Vanguards verloren. So erreichte nur 79 Flugzeuge China. Obwohl die P-66 eher unproblematisch zu fliegen gewesen sein soll, kamen die chinesischen Piloten, die auf P-39 mit Bugfahrwerk geschult worden waren mit dem Spornrad der P-66 zunächst nicht zu Recht. Es kam zu weiteren Verlusten. In einem größeren Luftkampf am 21.11.1943 schossen die chinesischen P-66 Piloten außer einer japanischen Ki-43 auch noch 2 ihrer Kameraden aus Versehen ab. Die meisten P-66 gingen aber am Boden durch japanische Tiefangriffe verloren. Immerhin sollen einige Chinesische Piloten mehrere Luftsiege auf diesem Muster errungen haben. Ende 1943 wurden die restlichen P-66 stillgelegt und einige sollen demontiert in Kisten verpackt das Kriegsende überlebt haben.

 

Bausatz

Auch wenn die Vultee P-66 Vanguard hier relativ unbekannt blieb, fehlt dieser Typ in Sammlungen, die die Flugzeuge der USAAF oder der Chinesischen Luftwaffe zum Thema haben. In 1:72 gab es bereits vor Jahren einen Spritzgußbausatz von Sword und genau diesen bringt Azmodel jetzt verbessert wieder heraus. Die 27 gravierten, grauen Plastikteile machen immer noch einen sehr guten Eindruck. Ergänzt werden diese durch 10 Resinteile und eine Ätzplatine. Neu ist die Cockpithaube aus Spritzguß, bei Sword war die Haube tiefgezogen. Die Bauanleitung begleitet in 25 Schritten den Fortgang der Montage. Allerdings hat sich hier ein Fehler eingeschlichen: Azmodel will alle möglichen Versionen beschreiben, Die Decals lassen aber nur die Serienversion mit der kleineren Verglasung hinter dem eigentlichen Cockpit zu. Deckelbild und Bemalungsanleitung geben dies auch korrekt wieder. Azmodels erweckt aber in der Anleitung den Eindruck, man müsse für diese Version den Rumpfrücken ausschneiden und das größere Glasteil 12 einpassen. Dies ist genauso falsch wie die Bezeichnung P-48: Die Vultee hieß als V-48, als die USAAF sie übernahm wurde sie zur P-66, die (X)P-48 war ein Projekt von Douglas aus dem Jahr 1939, das von der Army Air Force storniert wurde bevor ein Prototyp gebaut worden war.

Man kann also den Rumpf so nehmen wie er ist und das Resin-Cockpit einpassen, das aus den gut strukturierten Seitenwänden, Boden mit Rückwand, Steuerknüppel, Instrumentenbrett und dem Sitz, der aber noch Gurte erhalten sollte, besteht. Alle Innenteile sollen Zinc-Chromat, das Instrumentenbrett und der Griff der Steuerknüppels schwarz lackiert werden. Es folgt der Sternmotor, dann kann man die Rumpfhälften zusammenfügen. Typisch für einen  Kleinserienbausatz finden wir keine Paßstifte.

Höhen- und Seitenleitwerke müssen stumpf an den Rumpf angeklebt und ausgerichtet werden. Die beiden 12,7mm Maschinengewehre auf der Motorverkleidung liegen wieder aus Resin bei.

Die Tragflächen sind dreigeteilt: eine durchgehende Unterseite, die die V-Form definiert und sich in den Rumpf fügt und die beiden oberen Hälften. Teil 8 deckt den Fahrwerkschacht zum Rumpf hin ab. Beim großen Vorbild waren die Schächte in der Mitte durch einen Spant getrennt, den man leicht aus Plastic-Sheet darstellen kann. Auch eine scratch gebaute Begrenzung der Schächte zum hinteren Teil der Tragflächen sieht besser aus. Ansonsten paßt die Fläche gut an den Rumpf. Die Bauanleitung gibt keinen Hinweis auf die 4 7,62mm Maschinengewehre, die bei der Serienversion in die Tragflächen eingebaut waren. Die Mündungen liegen als 4X Teil 19 bei. Auch das Deckelbild und die Bemalungsanleitung zeigt diesen Teil der Bewaffnung nicht. Vielleicht hatte die USAAF diese für den Übungsbetrieb nicht eingebaut (oder sie wurden auf Fotos retuschiert). Bei den chinesischen Flugzeugen sollen sie vorhanden gewesen sein. Das gilt auch für den Radiokompass (14), dessen Position auch nicht definiert ist, der auf Fotos von USAAF P-66 nicht vorhanden, aber für chinesische P-66 unter dem Rumpf hinter der Tragfläche belegt ist (vielleicht war er nur für den Überführungsflug von Karachi nach Chengtu eingebaut). Die neue Cockpithaube paßte sehr gut in den Rumpf.

Die Montage des Fahrwerkes gestaltet sich als etwas aufwendig: Es gibt keine Markierung für die Endpunkte der Fahrwerksbeine, Klappen und verschiedene Details werden als Ätzteile geliefert und müssen teilweise erst gebogen werden. Auch der Propeller könnte einfacher sein: Die 3 Blätter müssen stumpf an die Achse geklebt und ausgerichtet werden. Bei anderen Herstellern geht so etwas in einem Stück. Zumal man nicht erkennen kann, daß diese Teilung zu zusätzlichen Details geführt hätte.

3 Versionen können mit den beiliegenden Decals gebaut werden. Alle 3 Flugzeuge haben Olive Drab Oberseiten und graue Unterseiten. Ob die Flugzeuge Light Grey wie die Anleitung vorschlägt oder in dem zu dieser Zeit üblichen Neutral Grey gespritzt waren ist fraglich. Die USAAF Flugzeuge waren wahrscheinlich Neutral Grey, die chinesischen, die ja ursprünglich für die RAF bestimmt waren, könnten auch anders lackiert gewesen sein. Die sauber gedruckten Decals lassen den Bau von 2 USAAF Flugzeugen und einem chinesischen Flugzeug zu.

 

Fazit

Auch mit der P-66 schließt Azmodel wieder eine Lücke. Die gute Wiederauflage hat aber einige Ungenauigkeiten und Schwachpunkte vom alten Sword Modell übernommen, die das Modell für Anfänger oder als Einstieg in den Kleinserienmodellbau schwierig machen. Die neue Cockpithaube vereinfacht den Zusammenbau in jedem Fall. Der Preis ist mit 17,90€ hoch, aber in diesem Modellbausektor wohl üblich.