SE 210 Caravelle von Revell 1:96

Galerie

Bild: Caravelle Revell 96 Parts Bild: Caravelle Revell96 Nose Bild: Caravelle Revell 96 Decals
Bild: Cravelle Rvell 96 Teile Nase
Muster:SE.210 Caravelle
Hersteller:Revell
Maßstab:1:96
Erscheinungsdatum:2007
Autor:Ernst Kögel

Fazit Kurzform

Die Wiederauflage eines alten Revell Kits aus dem Jahre 1961: Wie die Modelle der Jubiläumsedition bietet die Caravelle eine willkommene Abwechslung nach High-Tech Bausätzen..  Wegen der unproblematischen Montage ist er aber vor allem Anfängern zu empfehlen. Die beweglichen Teile machen ihn meiner Ansicht nach auch zu einem idealen Einsteigermodell, mit dem das Interesse für unser Hobby bei Kindern geweckt werden kann.

Original/Geschichte

Die Geschichte der Caravelle beginnt 1951: Ein strahlgetriebenes Passagierflugzeug, das Ziele in Europa und Nordafrika in einer Entfernung von 2000 Km ab der französischen Hauptstadt mit einer Geschwindigkeit von mindestens 600 Km/h erreichen konnte, wurde von der staatlichen französischen Luftfahrtbehörde SGAAC ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt die staatliche  SNCASE, die später mit Nord Aviation zur Aerospatiale verschmolzen wurde. Es  entstand, übrigens auch mit Unterstützung von De Havilland, ein zweistrahliger, von Rolls Royce Avon Turbinen angetriebener Tiefdecker, der 52 Passagieren Platz bot.  Revolutionär schien die Unterbringung des Antriebes am Heck. Die bordeigene Hecktreppe und Frachtluken in Brusthöhe des Bodenpersonals sollte die Abhängigkeit von Ground Equipment verringern.  

Der erste Prototyp startete im Mai 1954 zu seinem Jungfernflug. Die erste Bestellung erfolgte 1956 durch Air France und 1957 die skandinavische SAS. Im Mai 1959 wurde das Flugzeug für den Passagierdienst zugelassen und beflog bald darauf die Kurz- und Mittelstrecken beider Gesellschaften. Daneben kauften in Europa Swissair, Alitalia, Sabena, Iberia, Air Inter , Sterling und Finnair Caravelle ab Werk. Gebrauchte Caravelle fanden später unter den Charter-Gesellschaften Abnehmer. In Westdeutschland nutzten SAT/Germania, LTU und Aero Lloyd dieses Flugzeug.

Nicht nur auf dem alten Kontinent fand der elegante Jetliner Kunden: In Zusammenarbeit mit Douglas konnten 20 Caravelle an United Airlines verkauft werden. Eine weitere Option über weitere 20 Flugzeuge wurde aber  nicht wahrgenommen. Für United war dieser Typ letztlich nur ein Lückenfüller bis zur Serienreife der Boeing 727. Auch TWA interessierte sich für diesen Typ, bestellte aber letztlich Boeing 727. Selbst die Umrüstung auf amerikanische Triebwerke brachte keine weiteren US Kunden.

Die Caravelle wurde natürlich weiterentwickelt: Auf das Modell I folgten III, IV, die sich hauptsächlich durch stärkere Triebwerke unterschieden und die alle die gleichen Abmessungen hatten, Serie 10, die 1 m länger war, und schließlich 12, deren Rumpflänge nochmals um 3,20 m gestreckt wurde. Ab Serie 10 besaßen die Caravelle APUs. Diese Hilfsturbinen machten sie von Bodenelektrik unabhängig. Bis 1973 wurden insgesamt 282 Caravelle produziert.

Während die Swissair bis 1971 und SAS bis 1974 ihre Caravelle III gegen DC 9 austauschten, flog die Air France diesen Typ relativ lange.

Bausatz

Das Revell-Modell in 1:96 ist eine Wiederauflage aus dem Jahre 1961. Damals hatte sich 1:144 noch nicht als Standardmaßstab für Airliner-Modelle etabliert und es gab mehrere Firmen die in 1:96 und 1:100 Modelle herausbrachten: Frog etwa die DC 7, Britannia, Comet, Caravelle und V-Bomber, und später Aurora ( Boeing 727), Faller in 1:100 Vickers Viscount, Caravelle, Convair 440 und Ju 52 und andere (VEB Tschopau, Nitto Tamya etc.). Der 100er Maßstab fand damals wegen der einfachen Umrechnung Original/Modell viele Fans, die sich über diese Neuauflage sicher besonders freuen dürften. Airfix wählte mit seiner Skyking Serie den Maßstab 1:144, der sich vor allem angesichts der Großraumflugzeuge als guter Kompromiss erwies und inzwischen den „Century-Scale“ verdrängt hat. Die  Revell SE 210 Caravelle III, die auch gut in die Jubiläumsserie gepaßt hätte, ist relativ einfach zu bauen. Die Kids sollten ja ihre Modelle möglichst an einem Tag fertig haben.  Drehbare Räder, die aufklappbare Treppe im Heck und geöffnet darstellbare Passagiertüren sollten damals den Spielwert steigern, kommen aber den Dioramenfreunden von heute entgegen. Erstaunlich für ein Modell diesen Alters sind die feinen gravierten Details, die man bei manchem Revell Modell aus den Siebzigern (z.B. Tristar oder DC 10) vermißt. Überhaupt hat Revell die alten Formen gut aufbereitet und es gibt keine Gußgrate. Die 42 in Airliner- freundlichem Weiß gehaltenen Bauteile lassen sich anhand der übersichtlichen Bauanleitung rasch zusammenfügen. Die Passagierfenster sind wie bei anderen Revell-Airlinern aus den 60er Jahren nur durch Vertiefungen dargestellt, liegen aber auch als Decals bei. Die Rumpfhälften werden konventionell zusammengefügt, die bewegliche Hecktreppe und das einteilige Höhenleitwerk sollten vorher eingepaßt werden. Bug mit  Cockpitbereich, der beim Original übrigens mit der De Havilland Comet übereinstimmte, und Heckkonus sind extra Teile, die den Rumpf zusätzlich stabil zusammenhalten. Im Bug sollten noch etwa 20 Gramm Gewicht untergebracht werden, damit das Modell später sicher auf dem Bugrad steht. Allerdings kann auch die ausgeklappte Hecktreppe als Stütze dienen. Das Cockpit ist nicht verglast, es liegen aber auch hier Decals bei. Allerdings sollten die Fenster-Öffnungen dann verspachtelt werden. Eine andere Alternative ist das Ausfüllen mit Kristal Clear.

Die Tragflächen, wie üblich in Ober- und Unterseiten geteilt, werden durch stabile Haltezungen im Rumpf verankert. Die beiden Rolls Royce Triebwerke haben schöne Fans, der Luftaustrittsbereich ist aber sehr einfach gehalten. Beim Fahrwerk hat man den Schwerpunkt eher auf Haltbarkeit und nicht auf filigrane Details gelegt. Die Klappen könnten dünner sein. Die Räder können drehbar montiert werden.

Die Lackierung des Modells ist 60er Jahre Standard: Weiße Rumpfoberseite und Alu-Unterseite, graue Tragflächen mit Alu Ruder und Klappen, die Radar Nase schwarz und die Wing Tips Rot, um Vorfeld-Fahrzeuge zu warnen.

Wirklich neu an diesem Bausatz sind aber die hervorragenden Abziehbilder die in Zusammenarbeit mit Daco entstanden. 8 verschiedene Swissair mit entsprechenden Städtewappen und Namen sowie 3 SAS Caravelle stehen zur Auswahl, außerdem Walkways, Fenster und Notausstiege. So kann aus diesem Oldtimer ein Schmuckstück für die Vitrine entstehen.

Fazit

Ältere Modellbauer werden sich mit diesem Bausatz an ihre ersten Modelle erinnern. Wie die Modelle der Jubiläumsedition bietet die Caravelle eine willkommene Abwechslung nach High-Tech Kits.  Wegen der unproblematischen Montage ist er aber vor allem Anfängern zu empfehlen. Die beweglichen Teile machen ihn meiner Ansicht nach auch zu einem idealen Einsteigermodell, mit dem das Interesse für unser Hobby bei Kindern geweckt werden kann.