Supermarine Scimitar F.1 Xtrakit 1:72

Galerie

Bild: Supermarine Scimitar Xtrakit 72 alle Teile Bild: Supermarine Scimitar Xtrakit 72 Details Bild: Supermarine Scimitar Xtrakit 72 Decals
Bild: Supermarine Scimitar Literatur 1 Bild: Supermarine Scimitar Literatur 2
Muster:Supermarine Scimitar F.1
Hersteller:Xtrakit
Maßstab:1:72
Erscheinungsdatum:2009
Autor:Ernst Kögel

Fazit Kurzform

Endlich gibt es einen Bausatz der Scimitar. Für Kleinserie kein schlechtes Modell, allerdings hat man schon bessere Xtrakit -Bausätze gesehen. Dieser Kit ist auf  teure Zurüstteile ausgelegt.  Fortgeschrittene Modellbauer werden sicher trotzdem eine schöne Scimitar aus diesem Kasten erschaffen können. Für Anfänger ist er weniger geeignet.

Original/Geschichte

Die Supermarine Scimitar war die letzte Konstruktion von Supermarine bevor dieser traditionsreiche britische Hersteller als Division von Vickers in der Hawker Siddeley Gruppe aufging. Die Ursprünge der Scimitar reichen bis in die späten 40er Jahre zurück: Modell 508 war eigentlich eine vergrößerte zweistrahlige  Version der Attacker, dem ersten strahlgetriebenen Marinekampfflugzeug der  Royal Navy,  mit V-Leitwerk und Bugfahrwerk. Allerdings waren höhere Geschwindigkeiten nur mit einer neuen Tragfläche zu erreichen, die beim Modell 525 gepfeilt wurde, das am 19.April 1954 zum Erstflug starten konnte. Um die Landegeschwindigkeit und Startleistung für den Flugzeugträgerbetrieb zu optimieren wurden erstmals die Landeklappen angeblasen. Trotz der gepfeilten Flächen erreichte das Modell 525 Mach 1,08 nur im leichten Sturzflug. Wegen zahlreicher Verbesserungen nannte man das Projekt ab 1956 Modell 544. Jetzt wurden auch Flugzeugträger-Tests auf der HMS Ark Royal durchgeführt. Im März 1957 erhielt das Modell offiziell den Namen „Scimitar“(Krummschwert). Im gleichen Jahr wurden auch die ersten Flugzeuge an die Royal Navy ausgeliefert. Von 100 bestellten Scimitar wurden aber nur 76 gebaut. Daß 39 bei Unfällen verloren gingen spricht nicht gegen diesen Typ, sondern zeigt wie gefährlich die Operationen von Bord der relativ kleinen britischen Flugzeugträger waren. Die Scimitar sollte ein Tag- und Nacht-Abfangjäger zum Flottenschutz, Begleitjäger und Jagdbomber werden. Wegen der schlechteren Höhenleistungen und des mangelhaften Radars der Scimitars wurde Abfangjagd schon bald den Sea Vixen Verbänden übertragen. Scimitars behielten die Rolle als Angriffsflugzeug. Wahrscheinlich hätte man diese Nachteile mit einem anderen Radarsystem und stärkeren Triebwerken beheben können, hat dies aber nie versucht. Immerhin waren Scimitars für frühe Sidewinder Luftkampfraketen verkabelt. Neben den 4 30mm Aden Kanonen konnten an 4 Außenstationen je eine 1000lbs Bombe ins Ziel getragen werden. Außerdem konnte die Scimitars die US Luft-Boden-Rakete Bullpup verschießen. Am wichtigsten schien die Eignung des Flugzeuges als Atombomber: Scimitars waren in der Lage, die trägergestützte 25 kilotonnen Bombe „Red Beard“ zu tragen. Bis heute sind Einzelheiten hierzu geheim. Es ist aber fraglich ob diese Waffe je auf britischen Flugzeugträgern mit geführt wurde, denn sie galt anfangs als unsicher und gefährlich. Mit der Einführung der Blackburn Buccaneer wurde die Scimitar allmählich an Bord der britischen Flugzeugträger abgelöst. Im Oktober 1966 wurde beim 803.Squadron die letzte Scimitar  bei einem Einsatzgeschwader außer Dienst gestellt.
So war die Scimitar zwar kein schlechtes Flugzeug, ihre Möglichkeiten wurden jedoch nie voll ausgenutzt.


Bausatz

Trotz der 9 jährigen Dienstzeit bei der Royal Navy und mehrerer Auftritte bei Demoteams wurde  die Scimitar von den großen Kit Herstellern  vergessen: Nach einem sehr frühen Frog-Modell gab es nur noch Vacu-, Multimedia- und Resin Bausätze.  Xtrakit  bringt jetzt endlich einen Spritzguß Kit heraus. Allerdings ist die Qualität der bei Sword produzierten Teile nicht gerade überragend: Blechstöße sind genauso tief graviert wie die Ruder. Wie bei anderen Kleinserienmodellen fehlen Paßstifte und Haltezungen für Tragflächen und Leitwerke. Die gravierten Details sind teilweise verwaschen und grob. Bei eigenen Kits gleicht der Tschechische Hersteller die mittelmäßige Qualität der Plastikteile durch gute Resin- und Ätzteile aus. Bei der Scimitar liegt aber nur der Schleudersitz aus Resin bei. So wird es sicher bald teure Zurüstteile für die Scimitar geben oder Sword bringt diesen Bausatz als teuren „High Tech“ Kit mit Ätz- und Resinteilen heraus. Vor dem Zusammenbau sollten alle Teile trocken auf ihre Paßgenauigket überprüft werden, sonst erlebt man einige unliebsame Überraschungen
Das Cockpit besteht aus Wanne, Steuerknüppel, Instrumentenbrett, Blendschutz und dem bereits erwähnten Resin-Schleudersitz. Bis auf den Sitz sind die Teile eher sparsam detailliert, bei geschlossenem Cockpit ist dies aber ausreichend. Allerdings lässt sich die gespritzte Schiebehaube auch geöffnet darstellen.  Bevor man das fertige Cockpit einbauen kann, müssen die Innenwände der  Lufteinläufe montiert werden. An deren Ende wird eine Plastikplatte  mit den Fans der Triebwerke geklebt. Im hinteren Bereich fehlen noch die Düsen. Diese bestehen aus je 2 Hälften, die nach dem Zusammenkleben erst verspachtelt und verschliffen werden müssen. Dann kommt die Passprobe: ich musste die Öffnungen im Rumpf mit einer Schlüsselfeile etwas vergrößern bevor die Düsen passten. Fehlen  noch der Schacht für den Fanghaken und der Bugradschacht. Leider werden die wenigen Details noch durch eine Auswurfmarkierung beeinträchtigt. Natürlich sollte man genügend Ballast in die Nase einbauen, damit das Modell später auf dem Bugrad steht. Genug Platz dafür ist jedenfalls. Da die Schusskanäle von 2 Kanonen relativ flach dargestellt sind, sollten sie vertieft werden. Die beiden anderen sind verblendet dargestellt, wie das beim Original am Ende seiner Karriere der Fall gewesen sein soll. Da aber  die meisten Fotos alle 4 Kanonen zeigen, habe ich auch die anderen beiden aufgebohrt.
Die Tragflächen sind traditionell in Ober- und Unterseite ausgeführt. Die Fahrwerkschächte weisen keine Details auf und haben auch keine Seitenwände. Die beiden Grenzschichtzäune sollten dünner geschliffen oder durch Eigenanfertigungen aus dünnem Plastiksheet ersetzt  werden. Auch die Grenschichtzäune passen erst nach  einiger Nacharbeit. Während die  Stellung der Tragflächen durch Haltezungen am Rumpf grob definiert ist, muss man für die Position des Höhenleitwerkes einen Dreiseitenriss und das Deckelbild  zu Rate ziehen. Die Höhenleitwerke haben zwar einen Haltestift, am Rumpf fehlt aber ein Loch, der diesen aufnehmen könnte.
Das Fahwerk ist stabil und traditionell gehalten, die Felgen der Räder ansprechend detailliert. Der Fanghaken kann ein- oder ausgefahren montiert werden.
Die Position für diverse Kleinteile wie Lufthutzen, Antennen und den Nachbetankungssonde, die zwar beiliegen, muß man sich über Risszeichnungen erarbeiten.
Die 4 Tragflächen-Pylone liegen bei. Die Positionen an den Tragflächen sind aber auch nur wieder über Risszeichnungen zu klären. Als Außenlasten enthält  der Bausatz nur 4 Zusatztanks. Bullpup, Bomben oder frühe Sidewinder gibt es in diversen Zurüstsätzen etwa von Hasegawa.
Mit den beiliegenden Decals lassen sich 2 Flugzeuge der Fleet Air Arm darstellen. Beide weisen den Standardanstrich aus dieser Epoche auf: Oberseiten Extra Dark Sea Grey und Unterseiten  glänzend Weiß. Es kann eine Scimitar F.1, des 800B Squadrons, die zwischen 1964 und 65 auf der HMS Eagle stationiert war oder eine F.1 vom 807 Squadron, die 1960 und 61 von Bord der HMS Ark Royal operierte und zeitweise in Hal Far auf Malta stationiert war , markiert werden.


Fazit

Endlich gibt es einen Bausatz der Scimitar und man muß Xtrakits/Hannants loben, dass sie die fehleden britischen Flugzeugtypen als Modell herausbringen. Für Kleinserie kein schlechtes Modell, allerdings hat man schon bessere Xtrakit -Bausätze gesehen. Dieser Kit ist auf  teure Zurüstteile ausgelegt.  Fortgeschrittene Modellbauer werden sicher trotzdem eine schöne Scimitar aus diesem Kasten erschaffen können. Für Anfänger ist er weniger geeignet.