Heinkel He 70 ICM 1:72

| Muster: | Heinkel He 70 G-1 (und F-1) |
| Hersteller: | ICM |
| Maßstab: | 1:72 |
| Erscheinungsdatum: | 2009 |
| Autor: | Ernst Kögel |
Fazit Kurzform
Mit den neuen He 70 Bausätzen beschert uns ICM eine zeitgemäße He 70. Das neue Modell ist viel feiner als das von Matchbox von 1988, wobei einige Bauteile in meinen Kästen leider schlierig abgespritzt waren. Mit 17,90 € ist der neue Bausatz aber auch relativ teuer.
Original/Geschichte
Im Jahre 1932 bestellte die Swissair das einmotorige Schnellverkehrsflugzeug Lockheed Orion, um es auf europäischen Strecken einzusetzen. Seine hohe Reise-Geschwindigkeit von 293 Km/h verdankte dieses Muster unter anderem neben der Aerodynamik dem neuartigen Einziehfahrwerk. Die Deutsche Lufthansa forderte nun ein gleichwertiges Konkurrenzmuster. Junkers und Heinkel boten ihre Entwürfe an. Heinkel glaubte zunächst mit seiner He 65 einen geeigneten Entwurf zu haben, musste aber feststellen, dass dieser Typ die geforderten Leistungen nicht erreichen würde. Der neue Entwurf unter, der unter der Leitung von Siegfried Günter entstand, wurde He 70 genannt. Neben aerodynamischen Verfeinerungen erhielt dieses neue Muster ebenfalls Einziehfahrwerk. Bereits am 1. Dezember 1932 startete die He 70 zum Erstflug. Mit einer Geschwindigkeit von 362 km/h war dieses Flugzeug schneller als die Orion. Vor allem konnte es auch den zeitgenössischen Jagdflugzeugen mühelos entkommen. Ab Juni 1934 setzte die Lufthansa die viersitzige He 70 "Blitz" zunächst in der Version A auf sogenannten „Blitz-Strecken“ zwischen Berlin und Frankfurt/Main, Köln und Hamburg, später auch auf europäischen Strecken ein. Eine Aufgabe der He70 war der Zubringerdienst für die Südatlantik-Luftpoststrecke. Die He 70 wurde auf dem Teilstück bis Sevilla in Spanien eingesetzt. Ab 1935 wurde dieses einmotorige Flugzeug von leistungsfähigeren Schnellverkehrsflugzeugen wie der He 111 und der Ju 86 verdrängt.
Eine He 70 wurde nach England geliefert, um bei Rolls Royce als fliegender Prüfstand zu dienen.
Die hohe Geschwindigkeit weckte auch die Begehrlichkeiten der Militärs und 296 Flugzeuge wurden als Militärische Versionen gebaut. Auch im spanischen Bürgerkrieg kamen die He 70 als schnelle Aufklärer zum Einsatz. Inzwischen war allerdings der Geschwindigkeitsvorteil gegenüber den modernen Jagdflugzeugen geschwunden. Im Kriegseinsatz bewährten sie sich nicht. Bei Ausbruch des zweiten Weltkrieges waren die He 70 aus den deutschen Frontgeschwadern verschwunden, taten aber noch als Stabs-, Verbindungs- und Schulflugzeug gute Dienste. Trotzdem flogen noch nach Ungarn exportierte He 170 Einsätze an der Ostfront.
Insgesamt wurden 28 zivile und 296 militärische He 70 produziert.
Bausatz
Lange Zeit hatten die Modellhersteller dieses formschöne Flugzeug aus den dreißiger Jahren ignoriert. Die Modellbauer waren auf Airmodels Vacus angewiesen. WK models brachte neben einem Resin-Bausatz eine erste Spritzguß He 70 auf den deutschen Markt. Dieser Baukasten war aber nur für erfahrene Modellbauer geeignet. 1988 kam Matchbox mit einem Bausatz auf den Markt, der erst vor kurzem von Revell neu aufgelegt wurde. 3 Versionen können aus den 79 Einzelteilen wahlweise gebaut werden: Neben dem Schnellverkehrsflugzeug He 70 G -1der Lufthansa ein Aufklärer He 70 F der Legion Condor und eine He 170 A mit Sternmotor der ungarischen Luftwaffe. Natürlich war dies keine „New Mould“ Kit, aber das Modell entstand in einer Phase als Matchbox seien berühmten Gräben schon abgeschworen hatte. Ein neuer zeitgemäßer Bausatz ist deswegen immer willkommen. ICM bringt jetzt 2 neue Baukästen der He 70 auf den Basteltisch: Die Lufthansa Zivilversion G-1 und die Aufklärerversion F-2 aus dem spanischen Bürgerkrieg. Die Plastikteile beider Bausätze sind identisch. Sie unterscheiden sich nur durch Deckelbild, Bauanleitung und Decals. An 2 grauen Gußästen hängen 66 Teile, ein Klarsichtast enthält 13 Teile. Sie sind fein graviert, allerdings waren bei meinen Bausätzen einige Teile schlierig abgespritzt. Die Einsinkungen mussten erst verspachtelt werden. Beim Aufklärer muß der Abwehrstand erst ausgeschnitten werden. Im Cockpit finden sich Instrumentenbrett aus Klarsichtmaterial, Ruderpedalen, Steuerknüppel und Pilotensitz, dahinter die Rückwand, an die der Holm für die Tragfläche angegossen ist. Ein zweiter Holm muß unter den Cockpitboden geklebt werden. Die LH hatte außerdem häufig einen zweiten Sitz für den „Funkmaschinisten“ im Cockpit, der dem Bausatz aber nicht beiliegt. Die Rumpfseitenwände sind schön strukturiert. In der Ausstattung der Kabine unterscheiden sich beide Versionen: Zivile He 70 G-1 hatten 2 bequeme Ledersitzbänke, die Militärversion ist entsprechend spartanischer. Unter Cockpit und Kabine soll dann das Flügelmittelstück geklebt werden, nachdem die Seitenwände der Fahrwerkschächte installiert wurden. Fenster und Brandschott müssen in die Rumpfhälften eingebaut werden. Dann kann der Rumpf an das Flügelmittelstück geklebt werden. Von hinten wird das einteilig ausgeführte Höhenleitwerk eingeschoben und der Heckkonus anmontiert, vorne die Auspuffrohre in die Motorverkleidung. Dann kann die obere Motorverkleidung und das Seitenruder folgen. Die Tragflächen werden rund um das Mittelstück vervollständigt. Querruder und Landeklappen können in ausgeschlagener Position dargestellt werden. Je nach Version schließt das graue Teil B21 die Zivilhaube oder der Klarsichtabwehrstand geschlossen C10, oder geöffnet C9 und C2, ab. Dabei bleibt die geöffnete Variante in der Bauanleitung etwas unklar.
Propeller, Ölkühler, Schleifsporn und Einziehfahrwerk vervollständigen unser Modell. Hier sind alle Teile viel filligraner als bei Matchbox/Revell.
Die Decals der G-1 lassen 2 Lufthansa Flugzeuge zu. ICM gibt die Lackierung mit Hellgrau RLM 63 an. Es ist aber unklar, ob die zivilen He 70 nicht doch einen silbernen Schutzanstrich hatten. Die dunkelgrauen Gehflächen auf den Tragflächen, die bei Revell als Decal beiliegen, müssen bei ICM lackiert werden. Die F-2 kann in eine zivil aussehende Maschine der Legion Condor von 1937 weiß mit blauem Strahlenmuster oder eine normal getarnte der Nationali-Spanischen Luftwaffe 1938 fertiggestellt werden. Alle Farben sind mit ModelMaster Nummern benannt.
Fazit
Mit den neuen He 70 Bausätzen beschert uns ICM eine zeitgemäße He 70. Das neue Modell ist viel feiner als das von Matchbox von 1988, wobei einige Bauteile in meinen Kästen leider schlierig abgespritzt waren. Mit 17,90 € ist der neue Bausatz aber auch relativ teuer.









