FM-2 Wildcat von Hobby Boss 1:72

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Bild: FM 2 Hobby Boss 72 Rumpf auf Plan Bild: FM 2 Hobby Boss 72 Lackierplan Bild: FM 20 Hobby Boss 72 Anleitung
Bild: FM 2 Hobby Boss 72 Literatur Squadron Bild: FM 2 Hobby Boss  1:72 Literatur Warpaint
Muster:FM-2 Wildcat
Hersteller:Hobby Boss
Maßstab:1:72
Erscheinungsdatum:2008
Autor:Ernst Kögel

Fazit Kurzform

Als Bausatz ist die FM-2 Wildcat von Hobby Boss hervorragend: Aus den wenigen, gut gravierten, passgenauen Teilen können  selbst Anfänger in kürzester Zeit ein ansprechendes Modell bauen. Aber viele charakteristische Details der FM-2 hat Hobby Boss einfach weggelassen.

Original/Geschichte

Die Grumann Wildcat ist sicherlich eines der wichtigsten US Marinekampfflugzeuge des zweiten Weltkrieges. An der Wende im Pazifik zu Gunsten der USA hatte dieser bullige Jagdeinsitzer einen entscheidenden Anteil. Dabei war Grummans Jäger, der im September 1937 zum ersten Mal flog, nur als Ergänzung zur favorisierten Brewster Buffalo gedacht. Tatsächlich erwies sich die Wildcat als das bessere Flugzeug. Die US  Piloten lernten, die Stärken ihrer Wildcats gegen die Schwächen der legendären japanischen Zero auszuspielen und erzielten ein Abschußverhältnis von 6,9 zu 1. 905 bestätigte Abschüsse standen 178 in Luftkämpfen verlorenen Wildcats gegenüber. In der Schlacht um  Midway, im Korallen Meer und bei der Verteidigung der Pazifik- Inseln wie Guadalcanal oder Wake verließen sich die Jagdpiloten der US Navy und des Marine Corps auf die Wildcats. John S.Thatch und Edward „Butch“ O`Hare waren die ersten Asse der US Navy. Joe Foss, Marion Carl, Harold „Indian Joe“ Bauer, Robert E. Galer und James E. Sewett waren bekannte Wildcat-Piloten des US Marine Corps. Erste Erfolge hatte die Widcat allerdings in Europa: Am 25.12.1940 schoß eine Wildcat, in Groß Britannien Martlet genannt, der Fleet Air Arm eine deutsche Ju 88 über den Orkeney Inseln ab. Frankreich und Groß Britannien orderten diesen Typ. Die Niederlage und Besetzung Frankreichs 1940 verhinderte die Auslieferung der französischen Wildcats und sie wurden an die Briten weitergegeben.  In britischen Diensten erzielten Martlets Erfolge in den Geleitzugschlachten gegen die deutschen Focke Wulf  Condor. Außerdem war dieser Typ in Nord Afrika stationiert. Britische Martlet Piloten standen aber im Schatten ihrer RAF Kameraden, die in der Schlacht um England ihre Erfolge vor den Augen der Bevölkerung errangen. Eric „Winkle“ Brown, der später vor allem als Testpilot, der Beuteflugzeuge für England nachflog, bekannt wurde, war einer dieser Piloten, die die Geleitzüge gegen deutsche U-Boote und Langstreckenaufklärer mit dem Grumann Jäger absicherten.  
Die moderneren und leistungsfähigeren Hellcat und Corsair lösten ab 1943 die Widcats auf den großen US Flottenflugzeugträgern ab. Auf den kleineren Geleitflugzeugträgern standen sie bis zum Kriegsende im Dienst. Die kleineren Abmessungen und guten Langsamflugeigenschaften der Wildcat waren ideal für den Einsatz von Geleitflugzeugträgern. Mit der Version  XF4F-8 optimierte Grumann die Wildcat für die kleineren Flugzeugträger. Es entstand eine Leichtversion der Wildcat. Die Bewaffnung wurde von 6 auf 4 MGs reduziert. Der Pratt & Whitney Sternmotor wurde durch einen leistungsfähigeren  Curtiss Wright R-1 Motor ersetzt. Um dem Drehmoment des stärkeren Motors entgegen zu wirken, mußte das Leitwerk vergrößert werden. Da Grumann mit der Produktion anderer Typen ausgelastet war, wurde die Wildcat inzwischen von der Eastern Aircraft Division von General Motors als FM-1 produziert. Aus der XF4F-8 wurde die FM-2. Die FM-2 schien das ideale Flugzeug für die kleineren Träger. Zur Verstärkung der Feuerkraft gegen Bodenziele konnte die FM-2 auch mit je 3 HVAR Raketen unter jeder Fläche bewaffnet werden. Die letzten 1500  der 4777 produzierten FM-2 wurden so ausgerüstet und kamen bei der Invasion der  Philippinen und Okinawas zum Einsatz.  Die Britische Fleet Air Arm erhielt diesen Typ als Wildcat Mk VI geliefert. Die Produktion der Wildcat lief im Mai 1945 nach insgesamt 7251 Stück aller Versionen aus. Nach Kriegsende verschwand dieser Typ bald aus den Verbänden: Einige wurden eingelagert, andere verkauft  und viele wurden einfach verschrottet.
   


Bausatz

Von der finalen Wildcat-Version FM-2 gab es recht früh einen 1:72er Bausatz von Airfix, der zwar von den Dimensionen und Abmessungen gut getroffen, aber ansonsten im Stil der 50er Jahre recht einfach gehalten war. Ein Umbausatz von MPM hatte den ungenauen Academy F-4 F4 Bausatz zur Basis. Recht gut, aber auch sehr teuer und wegen der Multimedia-Ausführung nicht gerade für Anfänger geeignet ist der Sword Kit. Erfreulich ist es deshalb, dass Hobby Boss jetzt einen günstigen FM-2 Bausatz anbietet. Dieser kommt In einer Hobby Boss - typischen Schachtel mit dem etwas verfremdeten Foto des gebauten Modells auf dem Deckel. Die  16 grauen und 5 Klarsicht-Teile sind auf einem schwarzen Plastikeinsatz gegen Bruch gesichert und in Topqualität abgespritzt. Der Zusammenbau gestaltet sich denkbar einfach: Eine übersichtliche Bauanleitung zeigt den Bau des Modells in nur 3 Schritten. Sitz, Steuerknüppel und Instrumentenbrett sind bereits in den Rumpf integriert. Dies ist für Anfänger und Ungeduldige natürlich ideal, wer mehr Details darstellen will, muss die gelieferte Inneneinrichtung mühsam entfernen. Lediglich Visier und Kopfpolster müssen eingeklebt werden. Der Rumpf hat das typische vergrößerte Seitenleitwerk der FM-2 und ist fast in einem Stück gegossen. So entfällt die Klebenaht auf dem Rumpfrücken. Spornrad und Antennenmast sind bereits an den Rumpf angespritzt. Von unten wird die einteilige Tragfläche, an der sich auch die fehlenden Rumpfsegmente befinden, angesetzt. Die Leitwerke und der Motorträger werden montiert. Die veränderte Motorhaube in die der Curtiss Wright Motor bereits angegossen ist, sowie der Propeller können angebaut werden. Allerdings ist der Propeller falsch, statt des normalen Hamilton Standard der FM-2 liegt die sogenannte „Cuffed“ Version der früheren Wildcats bei. Die Cockpithaube kann geöffnet oder geschlossen eingebaut werden. Fehlt noch das Fahrwerk, das unkompliziert montiert angeklebt wird und ein Teil D2, das völlig überflüssig aus Klarsichtmaterial besteht. Frühere Versionen hatten im Rumpf unter den Tragflächen Fenster, durch die die Bodensicht des Piloten verbessert werden sollte, bei der FM-2 wurde auf diese Fenster verzichtet. Das Teil muß also einfach überlackiert werden. So schnell und problemlos, sicherlich an einem Nachmittag, entsteht eine schöne Hobby Boss Wildcat.
Aber ist dies nun eine richtige FM-2? Natürlich zielt Hobby Boss nicht in erster Linie auf uns Nietenzähler als Kunden, wichtig ist vor allem der leichte, schnelle Zusammenbau. Allerdings kann man aus diesem Kit auch eine authentische FM-2 mit relativ wenig Aufwand bauen. Zunächst muß man natürlich entscheiden, ob man die eingegossene Cockpitausstattung verfeinert oder entfernt und neu aufbaut. Gegen eine Verfeinerung und für einen Neuaufbau spricht, daß die Seitenkonsolen nicht dargestellt sind – die Seitenwände sind an der Öffnung des Cockpits aus gußtechnischen Gründen gerade nach unten gezogen, Bei der echten Wildcat gibt es diese Wand nicht: Die Rumpfbeplankung bildet auch die Kabinenwand. Einige Instrumente sitzen rechts und links auf Konsolen. Der Steuerknüppel ist nur als gerade Stange dargestellt, beim Original ist er leicht gebogen und hat natürlich oben einen Griff. Das Instrumentenbrett verträgt sicher auch einige Details. Warum hier Hobby Boss kein Decal beigelegt hat? Die Frage ist, was man bei geschlossenem Cockpit später von dieser Extraarbeit noch erkennen kann.  Am Rumpf fehlen die vier typischen Auspufföffnungen am Bug, hinter der Motorhaube (Jet Type Exhausts). Auf Originalfotos sind sie vor allem deshalb gut sichtbar, weil hier Verschmutzung mit Auspuffruß ihren Ursprung hat. Mit einer Schlüsselfeile kann man diese Vertiefungen am Bug anbringen. Auch die angegossene Antenne hat die frühe, nach vorne geneigte Stellung. Sie muß durch einen Antennenmast, der senkrecht zur Längsachse steht, ersetzt werden. Immerhin, wie bereits erwähnt ist das neue höhere Seitenleitwerk richtig dargestellt. Die veränderte Motorhaube ist zwar in Kontur und Abmessungen gut getroffen, der Curtiss Wright Motor ist aber in die Haube eingegossen. Natürlich kann man diesen entfernen und durch einen Motor aus der Ersatzteilkiste ersetzen ( B-17 ). Die für die FM2 charakteristischen 2 Kühlerklappen sind durch verschwommene Ausstülpungen dargestellt. Entweder sollten sie nachgraviert oder durch dünne Plastiksheets ersetzt werden. Der Propeller ist falsch und muß durch einen Hamilton Standard Propeller ersetzt werden. Am wenigsten Nacharbeit hat man bei den Tragflächen. Diese haben noch 6 MGs früherer Wildcat-Versionen statt 4. Die äußeren Schußkanäle und die Öffnungen für den Hülsenauswurf auf jeder Seite müssen zugespachtelt werden. Die Ölkühler unter der Fläche können dann noch aufgebohrt werden. Das kurze gebogene Staurohr ist dann wieder korrekt. Mit all diesen Korrekturen hat sich unser Hobby Boss Bausatz zu einer authentischen FM-2 gewandelt.
Der Bausatz enthält Decals für 2 US Versionen: Eine glänzend seeblaue FM-2, die zur VC-93  gehörte und 1945 im Pazifik auf der USS Petrof Bay stationiert war und eine weiss/dunkelgraue, die 1944 im Atlantik auf der USS Core eingesetzt war, lassen sich bauen. Die Farben sind in Gunze Sangyo Nummern angegeben.


Fazit

Als Bausatz ist die Hobby Boss FM-2 brilliant: wenige Teile gut graviert, gratfrei und absolut passgenau. Anfänger können in kürzester Zeit ein ansprechendes Modell bauen. Dazu kommt ein günstiger Preis. Um eine authentische FM-2 zu erhalten muß aber einiges nachgearbeitet und verändert werden.